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Guatemala – Eine Kaffeereise

Reisebericht

 

Guatemala – Land des ewigen Frühlings. Land der 32 Vulkane. Tropisches Paradies in Zentralamerika. Eine Reise der besonderen Art führt uns in vier von acht Kaffeeanbaugebieten: Cobán, Nuevo Oriente, Atitlán und Antigua. Organisiert wird die Reise von dem deutschen Fernsehautor Dethlev Cordts, seiner Frau Milvia und dem Reiseleiter Marco Gross. Unsere Gruppe besteht aus 14 Teilnehmern aus 4 Ländern: Deutschland, Österreich, Italien und Niederlande. Die Reise ist gut geplant und in deutscher Sprachen.

31. Januar: Anreise Miami – Guatemala

Wir treffen uns am Abend, alle ziemlich müde, am Flughafen von Guatemala City. Wir sind in Mailand abgeflogen und nach ca. 14 Stunden Flugzeit erschöpft in Guatemala City eingetroffen. Nur für eine Nacht können wir das wirklich luxuriöse Hotel Tikal Futura genießen!

1. Februar: Fahrt nach Cobán zur Finca Carlos Moina

Morgens nach dem Frühstück brechen wir mit unserem Bus in Richtung Cobán auf. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und führt von den Vulkanlandschaften des Hochlandes durch die Wüsten des Motagua-Tales in das niederschlagsreiche Kaffeeanbaugebiet von Cobán auf ca. 1.500 Metern Meereshöhe, wo wir nach einem ordentlichen Mittagessen im Restaurant die Finca des mittelständigen Produzenten Don Carlos Moina besuchen. Auf seiner 15 ha großen Kaffeeplantage sehen wir auch zum ersten Mal, welche Schäden die Pilzkrankheit Roya anrichten kann. Vom Essen gestärkt und mit ersten Eindrücken gehen wir den Berg hinunter zum dazugehörigem Beneficio, auf dem eigens für uns die Anlage in Betrieb genommen wird. Wir sehen die nasse Aufbereitung, die Sonnentrockung, aber auch die Trocknung in den Trockenöfen, die mit der abfallenden Pergamentschale befeuert werden.
Gleich im Anschluss fahren wir weiter Richtung Süd-Osten, nach Rio Hondo in die Ferienanlage Hotel Longarone. Die Besitzer des Hotels, mit denen wir einige Worte wechseln konnten, haben italienische Wurzeln.

2. Februar: das Kaffeeprojekt Lampocoy, Besuch einer Bio-Plantage und einer Kaffeegenossenschaft

Schon zeitig müssen wir an diesem Morgen aufstehen. Eine lange Fahrt steht uns bevor. Wir besuchen das wunderbare Kaffeeprojekt von Detlev Cords in Lampocoy im Anbaugebiet Nuevo Oriente. Nach langen Fahrten in offenen Pick Ups treffen wir schlussendlich in Lampocoy ein. Im Fußmarsch geht es durch die schön angelegten Plantagen. Alle Plantagen hier wurden als Mischkultur angelegt, um nicht nur komplett vom Kaffee abhängig zu sein.
Gleich im Anschluss geht es weiter in den Pick Ups zu einer kleinen Dorfschule, wo Geschenke (Bleistifte und Spitzer) an die Kinder verteilt werden. Welche Freude über einen Bleistift!!
Don Mario und seine Frau Amarillis zeigen uns ihre Plantage und laden uns ein, bei der Ernte dabei zu sein. Anscheinend haben wir gut gearbeitet, denn danach erwartet uns ein einfaches, aber köstliches Mittagessen. Es gibt Hühnersuppe, frisches Huhn und Salat. Natürlich in Bio-Qualität.
Nach dem Mittagessen geht es zu einer Außenstelle von Ana Café. Ana Café (Asociación Nacional del Café) ist die Nationale Kaffeegenossenschaft, die 1960 gegründet wurde und über die Kaffee vertrieben wird. Eine kleine Versammlung ist einberufen, bei der wir teilnehmen dürfen. Nach der Versammlung wird uns als Geschenke ein traditionelles Chorti Hemd und ein handgearbeiteter Holz-Krug mit Maya Motiven überreicht.
Müde von der vielen Fahrerei, erholen wir uns bei einem ausgedehntem Abendessen und einem köstlichen Ron Zacapa.

3. Februar: Beneficio in Coban: Veredelung und Export von Kaffee, Fahrt nach Antigua

Nach zwei Nächten im Hotel Longarone heißt es wieder Koffer packen. Nächste Station unserer Reise ist das Beneficio Camec in Guatemala City. Camec veredelt und exportiert Kaffee aus Lampocoy. Hier sehen wir die Pergamino-Mühlen, das Sieben, Verlesen und Verladen des Kaffees. Hier kommt sogar ein höchst technischer Laser zur Rohkaffeereinigung zum Einsatz.
Im Anschluss geht die Fahrt weiter in die Kaffeeregion Antigua und in die wunderschöne Hauptstadt Antigua. Mittagessen und Besichtigung der Stadt stehen auf dem Programm.
Gegen Abend fahren wir in die Casa Pastores. Dieses Wunderschöne Anwesen gehört Don Hans Masch, Sohn eines deutschen Einwanderers und ist ein altes Gutshaus. Er führt eine sehr große Kaffeeplantage und besitzt auch eine der größten Kaffeeröstereien in Guatemala. Das Anwesen ist einfach nur wunderbar. Empfangen werden wir mit einem Riesencocktail, der uns allen wahrscheinlich ewig in Erinnerung bleiben wird. Die zwei Nächte bei Don Hans sind besonders und sicher ein Höhepunkt dieser tollen Reise.

4. Februar: Beneficio in Coban: Einblick in die Kaffeewirtschaft Guatemalas

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit allem Drum und Dran im Kreise aller Teilnehmer, erhalten wir von Don Hans einen Vortrag über die einzelnen Anbaugebiete in Guatemala. Dank seines umfassenden Wissens erhalten wir einen guten Einblick in die Kaffeewirtschaft in Guatemala.
Gleich im Anschluss bekommen wir ausführlich die gesamte Plantage erklärt. Wir beginnen in den Aufzuchtfeldern, gehen über schön angelegte Kaffeeplantagen, ernten Kaffeekirschen, bekommen einen ganz genauen Einblick in die Verarbeitung auf dem Beneficio, sehen die Trocknung und Verarbeitung vom Kaffee bis hin zum fertigen Pergamino in den Lagerhallen. Kurz vor dem Verkauf wird Kaffee von Hand von vielen flinken Händen sortiert, abgesackt und verschickt. Wir stellen uns ziemlich ungeschickt an, was Das Verlesen angeht. Na ja, sind ja auch nicht geübt darin.

5. Februar: Fahrt zum Atitlán-See

Schweren Herzens verlassen wir die Casa Pastores, aber es nützt ja nichts, ein Anbaugebiet steht noch auf unserem Programm. Wir fahren weiter nach Panajachel am Atitlán-See, eine der wunderbarsten Landschaften dieser Erde. Die Fahrt ist wieder ziemlich lang und führt uns vorbei an großen Vulkanhängen, vorbei an großen Zuckerrohrplantagen und wieder im Hochland vorbei an großen Kaffeeplantagen, die von der Roja Krankheit ziemlich stark gezeichnet sind. Bis zu 40 % Ernteausfälle sind aufgrund dieser Krankheit zu beziffern. Die befallenen Pflanzen bekommen braun/orange Flecken und die Blätter fallen ab. Ohne Photosynthese können die Kirschen nicht abreifen. Große Ernteausfälle sind die Folge.
Angekommen im Hotel Ranchograndeinn in Panajachel lassen wir es uns nicht nehmen, sofort an die Ufer des wunderschönen Atitlán-See zu gehen und zu fotografieren. Ein kleiner Imbiss und ein Bummel durch die „Shoppingmeile“ entschädigen uns für die lange Fahrt.

6. Februar: Die Finka Santo Tomáso Pachuj – Einblicke in Caturra-Anbau und in die Kaffeeverarbeitung

Wir werden am Abend wieder im Hotel Tikal Futura in Guatemala City übernachten. Der Flug geht sehr früh. Deshalb Koffer packen, frühstücken, dann steht auch schon wieder der Bus bereit, der uns vom Tal wieder auf 1.600 Meter Meereshöhe in eine bio-zertifizierte Kaffeefinca bringt. Auf der Finka Santo Tomáso Pachuj wird, mit dem Ökosystem angepassten Methoden, Kaffee angebaut. Hier sieht man auch die Auswirkungen der Roja Krankheit. Dadurch dass die Abstände zwischen den Pflanzen größer sind, kann mehr Luft zirkulieren. Es entsteht weniger Feuchtigkeit, somit kann sich die Roja Krankheit weniger verbreiten. Angepflanzt wird die Sorte Caturra.
Auch hier wird eigens für uns die Anlage in Betrieb genommen und Albaro erklärt uns noch einmal genau die Abläufe in der Kaffeeverarbeitung. Ein alter Holzentpulper, den wir gerne kaufen würden, wird uns leider nicht mitgegeben! Leider! Man verspricht uns aber, dass uns einer besorgt wird.
Das ist ein Wort!
In der Hoffnung, dass das Wort gehalten wird, geht es in Pick Ups über sehr unwegsames Gelände zurück zu unserem Bus. Dieser bringt uns zur Lodge und Finca „Los Tarrales“ wo wir uns bei einer köstlichen Hühnerlasagne stärken. Anschließend verteilen wir uns auf dem Anwesen und staunen über die vielen Oldtimer die da vor sich hin rosten! Eine Tragödie.
Leider drängt unser Busfahrer wieder zur Weiterfahrt. Am Pass angelangt heißt es für mich und Walter endgültig Abschied von der tollen Gruppe zu nehmen. Die Gruppe fährt zurück zum Atitlàn-See, Walter und ich fahren im „Privat Taxi“ weiter nach Guatemala City. Ja diese Fahrt über Bergstraßen, Berghänge und durch ein Flussbett, und das bei aufleuchtender Wasserstandsanzeige wird uns wohl auch noch lange in Erinnerung bleiben.

7. Februar: Rückflug nach Europa

Diese Reise war etwas Besonderes. Es freut mich dass ich dabei sein durfte. Ewig wird mir dieses wunderschöne Land in Erinnerung bleiben. Fein dass wir bald den Rohkaffee aus Lampocoy erhalten. Die Erinnerungen bleiben so erhalten und wir können somit auch all unsere Kunden daran teilhaben lassen.

Reisebericht verfasst von Hofer Valentin
17.02.2015